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Der Streit um G8 + G9 – die jüngsten Entwicklungen im Norden

Ein Kommentar:

Wäre ich Lehrerin und er noch Schüler, würde im Zeugnis von Hamburgs Schulsenator Ties Rabe stehen: „Er mogelt sich gern durch.“ Denn genau das macht er gerade mit seiner angekündigten Umfrage an Hamburgs Gymnasien. Eltern, Schüler und Lehrer sollen entscheiden, ob sie G8 oder G9 wollen.

Wie auch immer das Ergebnis aussieht: Der Senator wird nie das Gesicht verlieren. Ein kluger Schachzug, ja, aber auch ein Eingeständnis von Schwäche, denn es gibt keine Not. Alle Fraktionen haben einen 10-jährigen Schulfrieden vereinbart und alle können ihr Abitur auch an der Stadtteilschule ablegen, dann in neun Jahren.

Niedersachsen war da auf den ersten Blick schon mutiger: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt erklärte das Turboabitur einfach für gescheitert. Doch auch sie hat nur dem Druck vor allem von Eltern und Lobbyverbänden nachgegeben und versucht nun, mit allerlei Ausnahmen es allen ein bisschen recht zu machen. Sie verpasst die Chance, Ordnung in das niedersächsische Strukturchaos zu bringen. Es geht im Kleinklein weiter. Visionäre Schulpolitik sieht anders aus.

Dass es auch anders geht zeigen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die beim Turboabitur bleiben.

Nur so kann das Gymnasium nämlich das bleiben, was es sein sollte: Keine Schule für Hans und Franz, sondern eine für die leistungsstärksten. Mit der Rückkehr zum G9 wird das Gymnasium jedoch mehr und mehr zum Mittelmaß. Und das nur, weil einige Eltern überzogene Erwartungen an ihre Kinder haben und Politikern das Rückgrat fehlt.

gesendet bei NDR2