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Only in Japan (3) – Toooookiooooooooooo

Eines gleich vorweg: Hacken zusammen schlagen, Arme anlegen und tief nach vorn beugen beherrsche ich inzwischen ohne nachzudenken, sogar dabei rückwärts mit den Füßen zu rutschen stellt kein Problem mehr da…..sagt jedenfalls die Producerin, und die muss es als Japanerin ja wissen.

Da dieses Mal für eine der Reportagen eine Reise in den Norden nötig war, konnte ich erstmals mit dem Shinkansen Only in Japan (3) – Toooookiooooooooooo weiterlesen

Only in Japan: Impressionen aus Tokio (2) – mit frischem Atem und tiefer Verbeugung

Wie ja (fast) alle wissen oder sich sonst denken können, bin ich ja nicht in Tokio, um bunte Bildchen zu machen, sondern um zu arbeiten. Weil ich mich sonst ja viel mit Integration beschäftige und hier alles richtig machen will, habe ich mich natürlich entsprechend eingelesen.

Aber einmal beim Interviewpartner angekommen, beginnt der Stress. Wie war das jetzt nochmal? Nicht die Hand geben, verbeugen…..

Die Mitarbeiterin sagt ganz freundlich: „In Japan ist die Form sehr wichtig!“ Aha, klar, denke ich, aber wie war das jetzt nochmal? Also ankommen, nur nicht zu früh, sonst vor der Tür warten. Jacke ausziehen, leise reinschauen, schon mal leicht den Oberkörper nach vorn neigen, LÄCHELN, die Jacke hat man schon über den Arm gelegt, dann meist die Schuhe ausziehen (aber dabei um Himmels willen nicht auf den guten Fußboden treten, die Japaner haben ja immer so „Schlüpfschuhe“ an, ich leider nicht). Dann eintreten und schon die Visitenkarte zum Tausch bereit halten – und diese dann auch noch so übergeben, dass das Gegenüber diese auch lesen kann (ist mir leider nicht immer gelungen….Anmerkung der Mitarbeiterin….“Kathrin, drehen, drehen….“). Ah, okay, und dann nach vorn beugen, vor Aufregung gleich drei Mal, die andere Karte mit beiden Händen nehmen, nochmal beugen, dann die Karte anschauen und liebevoll auf den Tisch legen.

Und zum Abschied dann nochmal wieder verbeugen, am besten fast rückwärts zur Tür gehen (wenn man denn überhaupt entspannt hochkommt, nachdem man gerade eine halbe Stunde gekniet hat), wieder in die Schuhe schlüpfen, Jacke über den Arm legen, nochmal verbeugen, LÄCHELN und immer wieder Danke sagen.

Ich gebe mir wirklich Mühe, fühle mich aber ehrlich gesagt wie der letzte Trampel.

Nun aber zu anderen Erkenntnissen und Entdeckungen. Die Japanerinnen und Japaner sind ein sehr reinliches Volk, so mein Eindruck. Sie seifen sich jeden Abend von Kopf bis Fuß ein und springen dann (ohne Seife) in die knallheiße Badewanne. Zur Entspannung, auch hintereinander eine Familie in ein Becken, so hat man es mir mehrfach bestätigt (leider ohne Foto).

Und man muss auch nie um schlechten Atem fürchten, denn an vielen Stellen liegt das aus:

aufreißen, spülen und schon frisch fühlen
aufreißen, spülen und schon frisch fühlen

Die Männer (jedenfalls die salaryman, also die, die von früh bis spät arbeiten, dann noch was trinken gehen mit den Kollegen und dann zu müde zum Sex sind) haben unglaublich schöne Täschchen dabei. Bei uns würden sowas die Frauen tragen, aber hier zu diesen zierlichen eleganten Männern passt das bestens.

man achte auch auf die Handhaltung
man achte auch auf die Handhaltung

Wer kein Kind aber ein Haustier hat, zum Beispiel einen Hund, fährt den auch gern im Kinderwagen spazieren oder zieht ihm schöne Schuhe an:

Gummistiefel für den Hund
Gummistiefel für den Hund

In der Bahn frage ich mich immer, wann die Genickstarre einsetzt…..alle schauen auf ihr Handy oder die Playstation, das fängt schon bei den Kleinsten an, ist aber IMMER völlig geräuschlos:

2015-12-20 15.10.19

Die Japaner sind ein eher zierliches Volk und die haben auch offenbar nicht so viel Hunger wie ich – da reichen dann auch Konserven im Miniformat:

die sind wirklich mini
die sind wirklich mini

Wer gerade jetzt zu den bevorstehenden Feiertagen (Neujahr haben alle mehrere Tage frei) ein schönes Geschenk kaufen möchte, der will natürlich nicht die Katze im Sacke kaufen und deshalb ist immer schön aufgezeigt, was sich im Karton befindet – wie zum Beispiel diese Bananen:

2015-12-23 11.27.02

Sehr gut gefällt mir auch der Wetterbericht im Fernsehen, selbst wenn der Wettermann Wolken voraussagt:

2015-12-23 18.58.43

Noch immer stehe ich im Supermarkt und frage mich: Was macht man damit?.

anderes Land, andere Kultur
anderes Land, andere Kultur

Rauchen ist draußen auf der Straße übrigens nicht so gern gesehen, aber ganz verbieten will man es dann wohl doch nicht. So sieht eine Alternative aus.

Raucherecken
Raucherecken

Dafür wird dann in den Bars gequalmt, was das Zeug hält. Was dort sehr praktisch ist: Es gibt Schließfächer für Jacken und Wertsachen.

Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Japaner lieben offenbar Frankreich. Es gibt sehr viele französische Geschäfte, aber mit den Sprachkenntnissen hapert es dann doch manchmal:

wer findet den Fehler?
wer findet den Fehler?

Sehr schön finde ich, dass Japan ein sehr sicheres Land ist, ein echtes Paradies für Taschendiebe ist das hier, so wie alle ihre Wertsachen immer locker in den offenen Taschen herumtragen, aber keiner würde jemals etwas stehlen. Haustüren bleiben meist unverschlossen – und ganz wichtig: Der Regenschirm bleibt draußen.

2015-12-16 16.35.58

und wer jetzt nochmal ein Stück Arbeit sehen und hören möchte, hier beim Deutschlandradio und bei NDR Info 

Mehr Reportagen dann nächste Woche……

Und zum Schluss noch……was sind wir wieder müde heute….Tokio ist einfach so groß und voller Wunder!

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Kein Wunder, der Tag ist hier ja auch länger als anderswo 🙂

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In diesem Sinne: Frohes Fest!

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Und schöne Grüße vom Kaiser und seiner Familie (ganz links die traurige Prinzessin Masako.

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ach ja:  Ich gebe mir wirklich Mühe, mich zu integrieren 🙂

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Only in Japan – Impressionen aus Tokio

Nachdem mich jetzt schon mehrere Leute gefragt haben, wie es mir denn hier so geht und was ich erlebe, hier einige Eindrücke. Alle Angaben sind selbstverständlich ohne Gewähr, die Fotos garantiert von mir und wirklich nur subjektiv betrachtet.

Zwei Dinge haben mich sofort beeindruckt (wie wahrscheinlich alle Touristen): Die Toiletten und das Verkehrsnetz.

Service spielt in Japan offensichtlich eine sehr große Rolle – das kommt Männern und Frauen mit schwacher Blase sehr entgegen. Toiletten gibt es an jeder Bahnstation, sie sind IMMER tiptop sauber, und es macht sogar echt Spaß. Pippi ist in Japan eine Erlebnisreise! Die Brille ist beheizt, das Wasser kann man sich in verschiedenen Stärken von unten ‚reinstrahlen lassen, gegen Geräusche gibt es Vogelgezwitscher.

 

Toiletten sind in Japan ein Erlebnis
Toiletten sind in Japan ein Erlebnis

Weil es für die Hände danach oft nur einen Trockner gibt, haben die Frauen alle ein kleines Läppchen in der Tasche. Schnell reingegriffen und trocken sind die Finger.

Ebenso faszinierend ist das unglaubliche Gewirr an Bahnlininien in Tokio. Man muss dauernd wieder einsteigen, Karte an die Sperre halten, zum nächsten Gleis, hoch, runter wieder hoch. Aber: Die Züge sind auf die Minute pünktlich. Und egal, wie voll es ist. Die Fahrgäste stellen sich immer brav hintereinander an der jeweiligen Markierung an, und genau an dort hält auch der Zug. Was ebenso toll ist: Die Menschen sind STILL mit sich selbst beschäftigt. Mit dem Handy zu telefonieren, ist nicht erwünscht und ALLE halten sich daran.

Aber das Leben in einer Metropole wie Tokio mit mehr als 30 Millionen Einwohnern ist natürlich stressig, die Wege sind weit, und das macht echt müde. Ich hab‘ immer meinen Spaß….

Großstadt macht müde
Großstadt macht müde
nein, die tippen nicht auf's Handy
nein, die tippen nicht auf’s Handy

In einem kleinen Geschäft habe ich aber genau das Richtige für alle Schlafmützen entdeckt

endlich schlafen wie ein Strauß
endlich schlafen wie ein Strauß

Sehr schön fand ich auch diese Werbung  in der Bahn – angeblich für ein Stretching Buch eines Fußballers…..wer hätte das gedacht!

das könnte der herabschauende Hund sein
das könnte der herabschauende Hund sein….naja jedenfalls in Ansätzen…

Schon vor der Reise habe ich gern Sushi gegessen, aber der Fisch hier schlägt alles um Längen – egal ob bei SevenEleven, im Bahnhofskiosk oder in irgend einem anderen Supermarkt. Es ist immer alles super frisch, lecker und eine echte Verpackungsschlacht. Um alles noch ein Tütchen und noch ein Tütchen und zukleben auch noch und dann IMMER ein großes Dankeschön, eine kleine Verbeugung  – und so sieht es dann aus…

Mixteller
Mixteller (auch mit Fleisch…)

ach ja, und damit es unterwegs nicht etwa schlecht wird, gibt es auch noch einen Kühlbeutel gratis dazu

ich dachte erst, das wäre was zu essen
ich dachte erst, das wäre was zu essen

Allerdings ist mir im Restaurant auch schon mal anders 🙂 geworden – als ich letztens an einer Theke mit lauter einzelnen Frauen platziert wurde, bestellte sich meine Nachbarin Frittiertes und zwei Fische. Sie bot mir spontan einen an, aber mit Blick auf die Stäbchen auf meinen Teller winkte ich dankend ab – zum Glück. Sie zupfte gekonnt die Haut ab und öffnete dann das Innere – der Bauch sah aus wie voller Rogen, eine feste gelbe Masse. Als sie Teile davon zum Mund hob, flutschte noch weißer Glibber herunter, wie ich aus den Augenwinkeln beobachten konnte.

Gerade ist hier übrigens Erdbeersaison – jedenfalls für jene, die es sich leisten können. Aber schön sehen sie auf jeden Fall aus.

Ein Erdbeerchen für rund 3,60 Euro
Ein Erdbeerchen für rund 3,60 Euro

So, das waren die ersten Eindrücke  – zu viel soll nicht verraten werden, denn ab nächster Woche gibt es auch noch viele Reportagen zu hören. Dann allerdings mit Themen, die mich sehr bewegt haben und ein anderes, weniger lustiges Bild zeigen…..aber dafür bin ich ja schließlich auch hier.