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Von Aleppo nach Hamburg (24) – Arbeitsgenehmigung ja, aber…..

Frank hat ein Studium im medizinischen Bereich gemacht und auch in der Branche gearbeitet. Um wieder in den Job zu kommen, würde er gern ein Praktikum in einer Apotheke absolvieren. Eine Arbeitsgenehmigung hat er ja und die Anerkennung seiner Abschlüsse hat er bereits auf den Weg gebracht. Aber alles dauert lange und dann sagt ihm die Dame auf dem Amt auch noch: „Nein, ein Praktikum dürfen Sie erst machen, wenn Sie das Sprachniveau B2 hinter sich gebracht haben.“ Hm, ich wundere mich und frage bei der Ausländerbehörde nach. Auch dort ist man erstaunt, räumt aber ein: „Es kann sein, dass es in den medizinischen Berufen Sonderregelungen gibt“, ist die dürre Auskunft.

Frank ist sichtlich enttäuscht, und ich denke: Da zeigt sich doch in der Praxis, wie schnell das ganze Gerede der Politik über eine schnelle Arbeitsmarktintegration an ihre Grenzen kommt, selbst wenn hier vielleicht höhere Zugangsschranken verständlich sind. Schon auf den ersten Sprachkurs hat Frank mehrere Monate gewartet, der nächste beginnt auch nicht nahtlos. Von der ganzen Rennerei zu den verschiedenen Ämtern mal ganz abgesehen – und Frank ist immerhin selbst in der Lage, sich durchzufragen. Das dürfte längst nicht bei jedem Neuankömmling der Fall sein und gibt einen Einblick darüber, was hier noch für Arbeit auf Deutschland wartet.

Er beschließt erst einmal alle wichtigen Begriffe nochmal im Selbststudium auf Arabisch aufzufrischen und sich dann Stück für Stück ins Deutsche zu übersetzen.

Von Aleppo nach Hamburg (20) – ein eigenes Zuhause

Monatelang hat Frank gesucht, nichts anderes hat ihn so sehr beschäftigt wie die Wohnungssuche. Er wollte unbedingt sein eigenes Heim haben, die Tür hinter sich schließen können, um zur Ruhe zu kommen. Kreuz und quer ist er durch Hamburg gefahren, hatte das Gefühl, man benachteilige ihn als Ausländer ohne eigenes Einkommen.
Doch dann klappte es endlich. Seine erste, eigene Wohnung in Deutschland ist klein aber reicht. Ein Zimmer, kleine Küche, überdachter Balkon und ein sehr schön renoviertes Bad.
Ganz schnell hat sich Frank von überall Möbel gekauft, das meiste über das Internet – ein hübsches Regal, ein üppiges Sofa, ein Bett. Auf einem Beistelltisch stehen Kekse und Obst – wie er es aus Syrien kennt. Dauernd flitzt er rein und raus aus der Küche, um noch dies und das zu holen, er strahlt über das ganze Gesicht.
Er ist einen Schritt weiter. In Hamburg.

Von Aleppo nach Hamburg (19) – ein sehr spezielles Geschenk

Frank lernt sehr gut Deutsch, auch beim Schreiben macht er nur kleine Fehler. Immer wieder fällt mir auf, dass er in unseren SMS Formulierungen von mir übernimmt und dann selbst in seine Sätze einbaut. Wenn er etwas nicht weiß, schlägt er es nach – zu meinem Geburtstag überraschte er mich zunächst mit folgender Nachricht:

„Bleib gesund und stets vergnügt, weil mir das am Herzen liegt.“

Einige Wochen später treffen wir uns. Es ist die erste Begegnung seit meinem Geburtstag. Frank kommt, einen Freund im Schlepptau, angeschlendert, an seiner Hand baumelt eine kleine Geschenktüte. „Liebe Kathrin, hier zu Deinem Geburtstag, ein kleines Geschenk“, hält er sie mir hin. Die Schokolade erkenne ich sofort, aber was ist das daneben?

Ich nehme es heraus und weiß nicht so recht, wie ich jetzt gucken soll. Frank schaut mich bereits erwartungsvoll und strahlend an. Doch der kleine Hauch der Enttäuschung dürfte ihm nicht entgangen sein, als ich etwas ratlos auf die sehr hochwertige „Anti-Aging-Crème“ in meinen Händen blicke.

„Öh, Danke“, stammele ich und merke, wie ich vor Verlegenheit rot werde. Ich erkläre ihm, dass das bei uns in Deutschland für eine Frau nicht so ein Kompliment, wenn man von einem Mann so ein Geschenk erhält. Eigentlich kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dass das irgendwo auf der Welt anders sein soll – aber nachdem mich vor Jahren mal eine Afghanin mit den Worten „Kathrin, Du bist ja dicker geworden“ begrüßte und auch das als freundlich empfand, bin ich da heute nicht mehr so sicher.

Frank jedenfalls meinte es gut mit mir, wie er mir versichert: „Kathrin, nur damit Deine Haut so schön jung bleibt.“
Und dann lachen wir beide ganz laut.

Von Aleppo nach Hamburg (16) – einfach mal einen Schein ‚rüberschieben

Auch wenn Frank jetzt ein bisschen ab vom Schuss in der öffentlichen Unterbringung wohnt, so sah er darin doch einen wichtigen Vorteil. Die Agentur für Arbeit sei nur wenige Meter weg, dachte er. Dem ist zwar auch so, aber die ist absurderweise genau bis zur Flüchtlingsunterkunft zuständig. Genau dort, wo jetzt die Container stehen, wechselt der Bereich und das bedeutet. Er und all die anderen müssen ans andere Ende von Hamburg fahren. Frank versteht das nicht, ich auch nicht – ich kann nur ein bisschen dümmlich mit den Achseln zucken und sagen: „Ja, die deutsche Bürokratie.“ Und Frank sagt: „Hier ist alles so kompliziert, in Syrien geht das alles leichter.“ „Ah ja“, frage ich interessiert nach. „Ja, man zahlt einfach ein bisschen Geld, damit lässt sich alles ganz schnell regeln.“
Ich entgegne trocken. „Das nennt sich Korruption.“ So eng will Frank das jetzt nicht sehen.

Von Aleppo nach Hamburg (15) – der gute Ruf der Deutschen

Für sein neues Zuhause in einem Wohncontainer hat sich Frank über Kleinanzeigen, Ebay und „zu verschenken“ eingedeckt. Für kleines Geld hat er sich so einen ganz kleinen Hausstand erworben. Dazu gehört zum Beispiel ein Wasserkocher für sieben Euro. „Den hat mir ein Deutscher verkauft, aber siehst Du, er ist an einer Stelle kaput“, beklagt sich Frank. „Aber warum hast Du Dir die Kanne denn nicht in Ruhe angeschaut?“, frage ich zurück.
„Er war Deutscher, da habe ich gedacht, da ist immer alles korrekt.“ Dass das längst nicht so ist, hat er jetzt verstanden.