Schlagwort-Archive: Kopftuch

Kopftuchurteil – so urteilen die Medien

Das gestrige Urteil zum Kopftuch an staatlichen Schulen hat erwartungsgemäß alle Kommentatoren auf den Plan gerufen – der NDR hat es gleich doppelt bewertet – einmal aus juristischer Sicht und eher aus praktischer Sicht für das Bundesland Niedersachsen.
Für NDS kommt das Urteil eigentlich genau zur richtigen Zeit, ist doch das Kopftuch Hauptstreitpunkt bei den laufenden Verhandlungen über einen Staatsvertrag. Hier hieß es lange, das Land wolle den Muslimen entgegenkommen, doch eine Einigung ließ bisher auf sich warten, eigentlich sollte der Vertrag nämlich schon Anfang des Jahres eingetütet gewesen sein. Das Urteil nimmt der hadernden Regierung nun sozusagen eine Entscheidung ab – einfacher geht es kaum. Ob sich dadurch tatsächlich mehr Frauen – wie von den muslimischen Verbänden gern als Argument ins Feld geführt – für ein Lehramtsstudium entscheiden, bleibt dahingestellt, denn bisher bedecken sich laut einer Studie ohnehin „nur“ ein Drittel der Muslimas. Für diese Frauen wird es in Niedersachsen künftig auch leichter, den Beamtenstatus zu erhalten. Dieser blieb ihnen, dadurch dass sie nur Religion unterrichteten, bisher verwehrt.

Die Zeit sieht den Beschluss des BVG nicht nur als wegweisend zu mehr Gleichberechtigung an, sondern auch als wichtiges Signal für die nachfolgenden Generationen. Frauen mit Kopftuch im Unterricht können eine Vorbildfunktion haben, so der Tenor des Kommentars.

Ganz nach Christian Wulff kommentiert die Berliner Zeitung – auch das Kopftuch gehöre zu Deutschland. Der Tagesspiegel verweist auf den Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich, wo die Laizität eine lange Tradition hat. Bei uns hingegen gehe es „ums Durchwurschteln“, denn genau das sei Integration.

Einen Analyse des Urteils mit weiteren, umfangreichen Informationen liefert das ZDF – der Autor unterstreicht, dass das Kopftuch jetzt zwar erlaubt sei, aber damit nicht missioniert werden darf. Hilfreich ist dazu auch der Hinweis auf den Koran, der das Tragen eines Kopftuches nicht ausdrücklich vorschreibt.

Der Kommentar bei Tagesschau.de bezieht sich auf die Praxis und wägt Chancen und Grenzen des Urteils ab. Besonders schön ist der Hinweis auf „Nathan der Weise“ und die daran enthaltende Ringparabel.

Hamburg will Kopftuchträgerinnen stärker in den Arbeitsmarkt integrieren

Wegen eines Kopftuchs darf einer Frau nicht der Job verwehrt werden. So steht es im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz von 2006. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht allerdings ganz anders aus. Kopftuchträgerinnen haben es selbst bei sehr guter Qualifizierung schwer. Hamburg will dem nicht länger zusehen und geht das Problem jetzt an.

gesendet bei NDR Info

Morgen gehen die Atomgespräche mit dem Iran in eine entscheidende Runde. So gut wie gar nicht thematisiert werden dabei die zahlreichen Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen, die seit dem Amtsantritt Rohanis offenbar stark zugenommen haben.

Der folgende Artikel bezieht sich weder auf das eine noch das andere, doch er erscheint mir immerhin wie ein kleiner Lichtblick:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-ohne-schleier-frauen-widersetzen-sich-der-kopftuch-pflicht-a-968435.html

Klage wegen Diskriminierung- Punktsieg für Frau mit Kopftuch

Eine junge Frau aus Hamburg hat erfolgreich gegen eine private Arbeitsvermittlerin geklagt. Diese wollte sie wegen ihres Kopftuchs nicht weiter vermitteln. Ein Fall, der auf NDR Info so viele Reaktionen hervorgerufen hat, dass die Kommentarseite letztlich geschlossen wurden. Das zeigt, wie das Stück Stoff immer noch viele Menschen bewegt. Mehr dazu hier.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sagte dazu mal sinngemäß: Es kommt nicht darauf an, was eine Frau auf, sondern im Kopf hat.

gesendet auf NDR Info