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Mehr Vielfalt – der dritte Diversity Tag

Eine bessere Werbung für den Diversity Tag als der Abgang der beiden Deutsche Bank Chefs Fitschen und Jain am vergangenen Wochenende hätte es wohl kaum geben können. In den Fernsehbildern der Bank tauchte riesig groß das Logo der Charta der Vielfalt auf – bereits in Vorausschau auf den heutigen Diversity Tag. Wer die Charta unterzeichnet hat, unterstützt Vielfalt in der Unternehmenskultur.
Auch an den Fachhochschulen, die traditionell eine heterogenere Zusammensetzung als die Unis haben, ist das Thema Vielfalt ein Thema – zum Beispiel an der FH Kiel. Dort versucht man mehr zu tun, als sich um barrierefreie Zugänge zu kümmern.

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Interview mit einer Diversity-Forscherin

Und so beschäftigen sich andere mit dem Thema:

Frauenquote allein reicht nicht: Manager Magazin

Die Telekom sieht das freilich anders

Seminare können helfen – wie an der Uni Rostock

Potenziale nicht nur erkennen, sondern auch Abschlüsse anerkennen lassen

Das Deutschlandstipendium – von der Politik gepusht, bei der Wirtschaft gefloppt!

Die Bundesregierung will mehr Studenten mit sehr guten Noten weiter finanziell unterstützen. Dazu hat sie im Koalitionsvertrag eine Aufstockung des Deutschlandstipendiums zugesagt. Das Stipendium gibt es seit drei Jahren. Künftig könnten so bis zu zwei Prozent aller Studenten 300 Euro monatlich erhalten. Voraussetzung ist jedoch, dass die Wirtschaft die Hälfte der Kosten trägt. Doch die ist bisher zurückhaltend. Und das ist längst nicht das einzige, woran es bei der Vergabe der Stipendien hakt.

Ein monatliches Stipendium, das ist eigentlich eine feine Sache, findet Tobias Burckhardt vom Asta der Universität Hannover. Und die Idee, dass sich die Wirtschaft beteiligt sei im Grunde auch gut: „Da werden Kontakte mit Unternehmen geknüpft, man kommt in Kontakt mit einem potentiellen späteren Arbeitgeber, kann dort vielleicht ein Praktikum machen, hat dort vielleicht direkt gute Verbindungen in das spätere, eventuelle Berufsfeld. Dass das für die Studierenden reizvoll ist, ist nicht zu leugnen. Problematisch ist es auch nicht bei denen, die es erhalten, sondern bei denen, die es nicht erhalten.“

Denn wie viele andere Programme, ist auch das Deutschlandstipendium an Bedingungen geknüpft: Eine zentrale sind sehr gute Leistungen. „Doch die könnten häufig eben nur die erbringen, die das Studium finanziert bekommen und nicht nebenher arbeiten müssen“, sagt eine Mitarbeiterin der Leibniz Universität Hannover und stimmt damit mit Asta-Sprecher Burckhardt überein. Seitens der Studenten sei das Interesse an einer finanziellen Unterstützung groß, sagt sie, aber es fehle das Interesse der Wirtschaft. Immer wieder berichten Universitäten, wie sie bei den Unternehmen Klinken putzen müssen, damit es Geld gibt, denn nur wenn die Wirtschaft die Hälfte zu dem Stipendium dazu gibt, fließt die andere Hälfte der staatlichen Mittel.

Den Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller, wundert das nicht. Aus seiner Sicht nimmt das Stipendium die Studenten zu wenig in die Pflicht: „Wenn es nur darum geht, Geld zu geben ohne den dazugehörigen engen Kontakt, dann ist die Kritik in der Wirtschaft natürlich da. Da sagen die Unternehmen, dann investieren wir lieber in eigene Programme, in denen wir wirklich die jungen Menschen ans Unternehmen heranführen.“

Ganz unrecht hat Müller mit seiner Kritik nicht: Die Studenten erhalten zwar 300 Euro im Monat, aber sie sind dafür weder dem Unternehmen Rechenschaft schuldig noch zu Dank verpflichtet. Die Mitarbeiterin der Universität in Hannover bringt es so auf den Punkt: „Wir sagen unseren Studenten, sie sollen pünktlich sein und ggf. auch rechtzeitig absagen.“

Der Bund hat für das Deutschlandstipendium in diesem Jahr 45 Millionen Euro bereit gestellt. Wie viel davon abgerufen wurde, will das Bildungsministerium im Frühjahr mitteilen. 2011 und 2012 jedoch blieben Millionen Euro ungenutzt.

So zum Beispiel in Hamburg. Dort verweigerten sich die drei großen Universitäten dem Deutschlandstipendium komplett:
„Das Deutschlandstipendium ist bisher mit einem sehr hohen bürokratischen Aufwand verbunden gewesen, und da die Unis in Hamburg sowieso schon chronisch unterfinanziert sind, konnten und wollten wir das nicht auch noch leisten“, sagt Barbara von Sturm. Sie ist an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, kurz HAW, für das Deutschlandstipendium verantwortlich. Eigentlich sollte es jetzt los gehen, die Verwaltungsaufgaben sollten gebündelt ausgelagert werden, doch erneut scheitert das Projekt an der Bürokratie. Das Studentenwerk hätte die ganze Abwicklung übernehmen sollen, doch nun stellte sich heraus, dass diese Aufgabe europaweit ausgeschrieben werden muss. Monate werden also wieder vergehen ohne dass Hamburger Studenten von der finanziellen Hilfe profitieren könnten.

Barbara von Sturm bedauert das durchaus, denn an einer Zusammenarbeit mit der HAW, da ist sie sicher, sind jede Menge Unternehmen interessiert. Da hat sie sicher recht, und auch das ist aus Sicht der Hannoveraner Uni und des Asta eine gewisse Ungerechtigkeit an dem Deutschlandstipendium. Die Wirtschaft suche sich nur die Fächer heraus, die für sie von Interesse seien also zum Beispiel Naturwissenschaften, Ingenieursstudiengänge oder auch Informatik. Ein sehr guter Pädagogikstudent hingegen dürfte Schwierigkeiten haben, finanziell unterstützt zu werden.

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