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Lost in Kirch Jeser

Pfingstsonnabend von Hamburg nach Schwerin mit dem IC: Desolates Krisenmanagement der Deutschen Bahn

Am HBF in Hamburg sehen die Reisenden gerade noch, wie sich die alte Crew fröhlich pfeifend verabschiedet, Schichtwechsel! Im Zug selbst ist bereits in einem Wagen die Klimaanlage ausgefallen. Die Außentemperatur liegt bei 30 Grad, drinnen sind es schnell mindestens genauso viele. Zugestiegene Fahrgäste wundern sich, dass der Zug nicht planmäßig um 17.43 Uhr abfährt. Wer schon seit Frankfurt hier sitzt ist schon schlauer: Es gibt ein Problem mit der Lok. Die schafft es dann aber doch mit nur einer halben Stunde Verspätung zu starten. Der IC tuckert los, doch schon nach wenigen Metern der erste Stopp. Stille. Eine Frau um die 70 fragt ihren Nachbarn, ob sie mal das Handy nutzen darf. „Ah, junger Mann, haben Sie denn eine, wie heißt das noch, ja, Flatrate? Nein, haben Sie nicht, na dann gebe ich Ihnen eine Mark (!).“ Der ganze Waggon lacht.
Noch!

Die erste Zugdurchsage: „Unsere Lok hat ein technisches Problem, der Lokführer versucht sie zu reparieren, wir bitten um Geduld.“ Warten. Weil die Elektronik ausgeschaltet ist, funktionieren weder Klimaanlage noch Behinderten-WC. Es wird warm, nein, heiß. Der Schweiß läuft. Langsam rollt der Zug wieder an. Aufatmen. Durchsage:“Liebe Fahrgäste, aufgrund der technischen Störung haben wir jetzt leider eine Verspätung von 40 Minuten, wir bitten um Entschuldigung.“

Die hyperaktive Schaffnerin beschleunigt den Schritt und verteilt kostenlos Wasser. Die Fahrgäste sind beruhigt, ein junger Mann macht sich Sorgen, dass er es nicht mehr pünktlich zum Supermarkt schafft.

Schwerin ist nicht mehr weit, aber viele müssen auch noch weiter, bis nach Stralsund. Kurz vor Schwerin dann wird der Zug wieder langsamer und kommt erneut ganz zum Stehen. Durchsage.“Wir sind erneut zum Stehen gekommen. Der Lokführer macht es jetzt wie Sie zu Hause mit ihrem Computer. Er resettet die Lok neu.“ Stille im Zug, die Luft steht. Die Türen bleiben geschlossen.

10 Minunten später die nächste Durchsage: „Wer möchte, kann sich jetzt im Bistro ein Freigetränk holen.“ Die Fahrgäste stehen zögernd auf, Schwerin ist doch nicht mehr weit, nur noch 23 Kilometer. Zu Essen gibt es nur noch Kuchen. „Wurst war schon kurz hinter Frankfurt aus“, erzählt später eine junge Frau.

Nach quälenden Minuten wird endlich eine Tür geöffnet. Durchsage: „Wir können mit dieser Lok nicht mehr weiterfahren, eine neue ist bereits unterwegs und wird gleich hier sein.“ Hochbetrieb in Kirch Jeser. „Wo ist das“, fragt meine Freundin in Schwerin.

Nach und nach bewegt sich die Masse nach draußen, Kinder turnen am Geländer, andere rauchen eine nach der anderen, trinken Bier. Die hyperaktive Schaffnerin hat ihr Dauerlächeln aufgesetzt und verbreitet Optimismus. Dummerweise verquatscht sie sich: „Ja, ist Pfingsten.“ Ja, und damit weit und breit offensichtlich kein Lokführer samt Lok in Sicht. Die Zeit vergeht. „Ich höre was“, sagt eine Mitsechzigern, die zu Hause das Haus voller Gäste hat, die jetzt ohne sie grillen. Ihre Ohren trügen sie nicht, es ist der Regionalzug Richtung Schwerin. Er kommt näher und näher – und fährt vorbei.

In Schwerin ist längst bekannt, dass der Zug 180 Minuten Verspätung haben wird, auf dem Gleis in Kirch Jeser läuft irgendwann ein Band mit derselben Info.

Warten, rauchen, aus der Toilette läuft langsam Pippi aufs Gleis. Jeder kann es hören und sehen.

Eine junge Schwerinern lässt sich abholen, mich will sie nur gegen Bares mitnehmen. Nein Danke!

Nächster Auftritt der hyperaktiven Schaffnerin. „Ich habe hier die Erstattungsgutscheine für Sie.“ Einige alte Leute atmen schwer, bewegen sich langsam. Die Schaffnerin ruft: „Es kommt jetzt ein Bus für Frauen und Kinder.“ Ein Kriegsgefühl macht sich breit.

Nach einer halben Stunde kommt genau ein Bus. Er soll aber nur nach Schwerin und nicht bis nach Stralsund fahren. Kinder, die schon in Richtung Bus saßen, trotten wieder zurück, Ohren eines Teddys schleifen über den Boden.“ Durcheinander. Nein, der Bus fährt nun doch nach Rostock, also wieder zurück. Es ist inzwischen 21.00 Uhr. Ich darf auch mitfahren, weil ich ja nur nach Schwerin will. Von einer Lok ist weit und breit nichts zu sehen, ein weiterer Bus kommt auch nicht. Ich fahre los und bin um halb zehn endlich in Schwerin, mit drei Stunden Verspätung.

Ach ja, erstattet wird mir nichts, ich hatte nämlich nur ein Ticket für den Regionalzug. Danke Deutsche Bahn!

Power-Pipi

    zitiert aus der neuesten Ausgabe der „mobil“ der Deutschen Bahn

    „Eine Toilette und eine volle Blase: Vielleicht braucht es in Zukunft weiter nichts, um einen leeren Akku von Handy-und Smartphone aufzuladen. Das glauben zumindest Ioannis Ieropoulos und seine Kollegen von der Universität Bristol in England. Die Ingenieure haben eine Methode entwickelt, um aus Urin Strom zu gewinnen – mithilfe von Bakterien. Denn manche Bakterienarten erzeugen beim Abbau des Körpersaftes tatsächlich Elektrizität. (…) Die ersten Urinproben, mit denen die Forscher Strom erzeugt haben, stammten von den Labormitarbeitern selbst. Noch reicht der Saft allerdings nur zum Verschicken weniger SMS oder kurzer Telefonate.“

    ……schöne Vorstellung: Akku aufladen auf der DB-Toilette!