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Familienzusammenführung: Deutsche Behörden beinhart

Ein junger Somalier sucht in Deutschland Schutz, er lernt, macht einen Schulabschluss, findet einen Ausbildungsplatz, wird also zu einem jungen Mann, wie deutsche Politiker ihn sich wünschen. Doch dann will er von seinem Recht Gebrauch machen, seine Familie nachzuholen. Und plötzlich ist Schluss mit der Willkommenskultur.Hier die Ausgangsgeschichte:
Das Berliner Verwaltungsgericht hat  Abdiasis inzwischen Recht gegeben. Der zuständige Richter war im Gespräch mit NDR Info sichtlich überrascht über den Umgang der deutschen Behörden mit dem jungen Somalier.  Für das Gericht haben die Behörden den Familiennachzug unnötig verzögert, um den Antrag dann, so der Kammervorsitzende Christian Oestmann wörtlich, mit einer „sehr zweifelhaften Begründung“ abzulehnen.Doch anstatt jetzt Ruhe zu geben und dem Sohn zumindest den Nachzug der Mutter zu ermöglichen, wird das Auswärtige Amt jetzt wohl in Berufung gehen und so die Familienzusammenführung um Monate versuchen zu verzögern.  Schon das Schreiben vom BAMF, dessen Ablehnung letztlich den Ausschlag gegeben hatte, spricht Bände. Darin ist sinngemäß von einem überlasteten Asylstems die Rede, von Begrenzung des Zuzugs usw. .Dass Deutschland in einer schwierigen Situation ist, sieht jeder, doch die Art und Weise, wie zumindest in diesem Fall offizielle Stellen dann eine Ablehnung begründen ist in der Sprachwahl menschenverachtend. 

Ausländerbehörde = Willkommensbehörde?

Dass man sich in einer Ausländerbehörde willkommen fühlen kann, war bisher undenkbar, schließlich werden dort nicht immer gute Nachrichten überbracht, es gibt sprachliche Missverständnisse und manchmal auch einfach einen rauen Ton. Doch das soll sich ändern. Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist von einem Dienstleistungscharakter der Ausländerbehörden die Rede. Der Grund dafür ist einfach. Deutschland konkurriert mit anderen Ländern um Fachkräfte.
In zehn Städten hat deshalb ein Pilotprojekt zur Neuausrichtung begonnen. Im Norden ist das Kiel. Das Projekt dauert zwei Jahre, jetzt ist Halbzeit.

hier auch der Link zum Beitrag auf NDR INFO

Asylbewerber als Fachkräfte – Bundesamt für Migration blamiert sich

Um gut qualifizierte Asylbewerber schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, Anfang des Jahres in sechs Städten ein Pilotprojekt begonnen. Seit September ist auch Berlin mit dabei. Anfangs gab es viel Lob für die Idee, doch jetzt droht dem BAMF eine Blamage. Einige der eigens ausgewählten Teilnehmer sollen nach Italien ausgewiesen werden, weil sie dort zum ersten Mal europäischen Boden betreten haben. So sieht es das so genannte Dublin-Abkommen vor.
Ich habe die Geschichte für NDR Info recherchiert.

Eigentlich sollte das Projekt bis Ende September evaluiert werden, der Termin wurde jetzt immer weiter nach hinten verschoben.

Dublin III – Verfahren nach Schema F

Immer wieder berichten Journalisten und auch ich über die europäische Flüchtlingspolitik und ihre Folgen. In Niedersachsen hat die Abschiebung eines jungen Mannes von der Elfenbeinküste für viel Aufsehen gesorgt. Wegen seines Engagements in einer Musikgruppe hatten ihn Ministerpräsident Weil und die Integrationsbeauftragte Schröder-Köpf für den Niedersächsischen Integrationspreis vorgeschlagen. Die Einladung hat er bereits in der Tasche, doch wird er wohl kaum teilnehmen können. Vor einem Monat wurde der 25-Jährige nach Italien überstellt, wie es im Behördendeutsch heißt. Dort hatte er erstmals europäischen Boden betreten. Doch von Unterkunft und finanzieller Unterstützung in der Italien keine Spur, wie ein deutscher Pastor berichtet. Seine Gemeinde beherbergt den Mann – und was sagen niedersächsische Politiker dazu? Nicht viel – sie haben offenbar keinen blassen Schimmer, wohin die Reise geht, wenn sie die Vorgaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge umsetzen:

gesendet auf NDR Info