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Japan – der zweite Blick auf dieses Land

Bei meiner kürzlichen Reise hatte ich das Glück, Bereiche kennen zu lernen, die vielleicht nicht jeder Tourist sieht, teils auch nicht sehen bzw. verstehen kann. Und auch für mich, obwohl ich eine Assistentin zur Seite hatte, bleiben viele offene Fragen.

Ein Beispiel dafür ist das sehr sichtbare Nebeneinander von Regulierung, das vielfach an Sozialismus erinnert und andererseits das völlig Verspielte mit als Comicfiguren verkleideten Mädchen und das Verpacken in immer noch eine Tüte mit noch einer Schleife.  Dazu gehören auch die besonderen „Serviceleistungen“ mancher Schulmädchen. Sie stehen auf bestimmten Straßen in der Innenstadt und wollen die Besucher in die so genannten Maid-Cafés locken. Dort werden die meist männlichen Besucher sehr zuvorkommend bedient  – aber nicht immer bleibt es nur dabei. Die USA haben 2014 dieses so genannte JK Business erstmals als Kinderprostitution in Japan bezeichnet. Die Organisation Colabo versucht, Schulmädchen zu helfen.

Hier mein Bericht auf Deutschlandradio Kultur

oder hier:

 

Ein zweites Thema, das mich sehr bewegt hat, ist „Matahara“ – das Wort ist eine Schöpfung aus dem Begriff „maternity harassment“ und steht für „Mutterschaftsschikane“. Zwar hat gerade der erste Abgeordnete Japans verkündet, Elternzeit nehmen zu wollen und damit die Tageszeitungen gefüllt, aber ansonsten ist es mit der Gleichberechtigung in Japan zumindest am Arbeitsmarkt nicht weit her. Jede zweite Frau ist während oder nach einer Schwangerschaft in ihrem Job diskriminiert worden. Das  hat eine Studie des japanischen Arbeitsministeriums ergeben. Doch langsam beginnen sich die Frauen zu wehren – mit Hilfe der Organisation Matahara.net

gesendet unter anderem bei NDR Info. Weitere Berichte dazu unter anderem auch im Economist und der Japan Times

Japan als die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt (ohne die EU) hat mich nicht nur beim Umgang mit schwangeren Frauen überrascht, die es doch eigentlich braucht, um weiterhin   erfolgreich zu bleiben. Zugleich weiß jeder, dass  Japan ähnlich wie Deutschland dringend Zuwanderung benötigt, denn das Land hat ein massives demographisches Problem. Eigentlich müsste es aktiv um gut qualifizierte Einwanderer werben, denn schon längst hat auch Japan einen Fachkräftemangel. Doch während Regierungschef Abe das Problem mit den Frauen angeht, bleibt er in der Einwanderungspolitik hart. Das Land gibt lieber Geld als selbst Menschen aufzunehmen – selbst dann nicht, wenn sie aus humanitären Gründen ein Recht darauf hätten.

Eine frustrierende Arbeit für Flüchtlingsorganisationen:

gesendet bei NDR Info